Schon wieder Hallo, liebe Newsletter-Leser und virtuelle Reise-Begleiter!
Diese Woche war ich wirklich fleißig mit schreiben, daher schon wieder ein
paar (hundert) Zeilen von mir! Wer nach diesem Lesemarathon immer noch nicht
genug hat: Es kommen sicher noch ein paar weitere, bevor ich im (europäischen)
Sommer wieder nach Deutschland fliege!
Aber bis dahin sind es ja noch ein paar Monate, also erst einmal einige Worte
zu den ersten drei Monaten des neuen Jahres (bzw. in diesem Newsletter erstmal
zu den ersten vier Wochen, sonst müssen vielleicht ein paar Mailboxen wegen
Überfüllung schließen ;-) )! Zuerst einmal ging es am 4. Januar zusammen mit
meiner (manchmal) lieben Mitreisenden Britta per Flieger nach Neuseeland.
Mit diesem Trip vollendeten wir dabei offiziell den Hinflug unseres gebuchten
Tickets, denn Sydney ist sozusagen nur ein "stopover" in beiden Richtungen
:-) Los ging es im Norden, in Auckland, um genauer zu sein. Hier wurden wir
gleich auf neuseeländische Art und Weise empfangen: Der Busfahrer setzte uns
vor dem falschen Hostel ab und wir durften noch ein bisschen durch die Stadt
irren. Na gut, kann ja passieren...
Abends sind wir dann gleich auf das Wahrzeichen Aucklands
geklettert, den Skytower, von wo aus wir den Sonnenuntergang zwischen
fernen Regenwolken bewunderten und einige Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven
schossen. Dass wir dabei nicht nur bei anderen Deutschen komische Blicke auslösten
versteht sich von selbst :-)
Als Britta am folgenden Morgen, nachdem wir von einem Spaziergang auf einen
Aussichtshügel in Davenport (auf der anderen Seite des Hafens, wohin und zurück
uns eine Fähre brachte) zurückgekehrt waren, unbedingt Schuhe kaufen
gehen musste, bin ich kurzerhand ins Museum marschiert und habe mein Wissen
über die Maori, also die Neuseeländischen Ureinwohner, von 'null' auf 'ein
bisschen' erhöht und unter anderem erfahren, warum es den Maori nicht so ergangen
ist wie den Aboriginies in Australien: Die alten Krieger haben die heransegelnden
Briten mit ihren Grimassen und Kriegswaffen einfach so sehr erschreckt, dass
dies ganz vergaßen zu kämpfen und lieber gleich verhandelt haben (oder so
ähnlich...). Auf jeden Fall sind die Maori heutzutage wesentlich präsenter
im täglichen Leben als die australischen Aboriginies, wenngleich trotzdem
von vielen "Europäern" nicht wirklich als gleichberechtigt anerkannt. In beiden
Ländern ist das britisch-imperialistische Gehabe insgesamt noch ziemlich weit
verbreitet.
Aber wieder zu den touristischen Attraktionen Aucklands: Am Nachmittag - Britta
hatte Schuhkauf erfolgreich mit einem Schnäppchen beendet - sprangen.wir noch
auf die letzte Fähre nach Rangitoto Island, dem jüngsten Vulkan in der Gegen
von Auckland, der vor etwa 600 Jahren mitten in der Bucht vor Auckland aus
dem Wasser gestiegen ist. Dort sind witr dann zwei Stunden lang mitten durch
Lavafelder bis auf den Gipfelkrater/Kratergipfel (?!?) marschiert. Je
höher wir dabei kamen, desto grüner wurde es und fast oben hat man den Eindruck,
im Wald im deutschen Mittelgebirge herumzulaufen. Faszinierend!
Am folgenden Morgen, dem historischen 6. Januar 2001 bestiegen wir dann zum
ersten Mal einen der berühmt-berüchtigten (siehe weiter unten) quitsch-grünen
Kiwi-Experience Busse, der uns in halsbrecherischen Fahrt (also dem typischen
Kiwi-Experience-Fahrstil), mit Zwischenstops an diversen Cafés (auch dazu
später mehr), an die Bay of
Islands am nördlichsten Zipfel Neuseelands brachte. Dort wurden wir direkt
am "Activity-Center" abgeladen, wo wir die auf dem Weg im Bus gebuchten Touren
antraten. Für uns war Delphin-Jagd angesagt, natürlich nur mit der Kamera,
aber leider ohne das versprochene "Swim with the Dolphins", da bei der nach
langer Suche endlich entdeckten Delphin-Gruppe einige Baby-Delphine dabei
waren. War ein tolles Erlebnis, vor allem weil die Kapitänin die meiste Zeit
mit den Füßen steuerte, während sie ihren Kopf delphinsuchenderweise durch
eine Dachluke steckte. Nach ein paar Stunden und mit leicht geröteten Armen
(trotz Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30+) kamen wir dann wieder auf dem
Festland an - Britta allerdings etwas später, denn sie musste unbedingt unterwegs
aussteigen (auf einer Insel) und mit dem nächsten Boot weiterfahren. Zur Strafe
war für sie dann kein Bett mehr frei in unserem, weil unsere tolle Kiwi-Experience-Bus-Hostess
die falsche Personenzahl durchgegeben hatte. Na gut, kann ja passieren...
Durch meinen heldenhaften und energischen Einsatz an der Rezeption brauchte
Britta dann doch nicht mit mir in einem Bett zu schlafen (was einerseits ziemlich
dumm von mir, in Anbetracht der Etagenbetten in den Ausmaßen 80x190 cm im
8er-Zimmer aber vielleicht doch ganz gut war). Der Tatsache, daß wir dannnochnicht
einmal im selben Zimmer unterkamen, ist dann zu verdanken, daß wir Bente und
Wibke, zwei Telekommies aus Kiel kennenlernten, die wir im Verlauf unserer
Tour nicht nur im KI(Kiwi-Experience)-Bus noch ein paar Male treffen sollten.
(Viele Grüße in den hohen Norden der Republik! Wir sehen uns spätestens bei
der Kieler Woche 2002!).
Doch erst einmal segelten wir, quasi als Training für die Kieler Woche, am
zweiten Tag in der Bay of Islands, wo wir sogar das Ruder der "She's a lady"
übernehmen durften. Super-Erlebnis, das mache ich bestimmt nochmal, spätestens
in den Whitsundays!
Yachtbesitzer aufgepasst: Wer sucht einen qualifizierten Skipper für die nächste
Hochsee-Regatta?!?
Fragt bloß nicht mich :-)==)
Nach dem zweiten Sonnenbrand in zwei Tagen (Merke: Auch 30+-Sonnencreme, stündlich
aufgetragen, schützt nicht vollständig vor den Strahlen, die das Ozonloch
hier durchlässt! Aber egal, am nächsten Tag war ich schön braun...) ging es
dann wieder mit Höchstgeschwindigkeit zurück nach Auckland (natürlich mit
Zwischenstop im Café). Nach einer weiteren Nacht im größten (und lautesten)
Backpacker-Hostel der Stadt ging es dann am nächsten Morgen erst richtig los
mit unserer Tour im fiesen grünen Bus. Doch bevor wir aus der Stadt herausfuhren
gab's den ersten Zwischenstop - am Headquarter von KI und mit einem Café nebenan
Dann noch ein letzter Stop mit Blick auf die Stadt und schon waren wir auf
dem Weg zur Coromandel
Peninsula. Neben einem Zwischenstop (an einem Café, versteht sich) gab
es auch noch eine Gelegenheit zum Beachwalk (inklusive Ins-Wasser-Hüpfen)
am wirklich wunderschönen Cathedral Cove, wo auch das Wetter noch super mitspielte.
Nach einer Nacht in Whitianga ging es weiter nach Rotorua.
Auf dem Weg zur Abwechslung mal ein Stop an einem Supermarkt (ach, ich glaube,
den hatten wir am Vortag auch schon) und in Rotorua ging's dann erstmal heiß
her. Für den KI-"Sonderpreis" von 15$ (Normalpreis so ca. 16$) durften wir
den heißen Blubbermatsch und die Geysiere der Whakarewarewa Thermal Area bewundern,
dazu ein "authentisch nachgebautes" Maori-Dorf (mit Versammlungshaus und Kampfkanu)
und einen lebenden Kiwi (den Vogel, nicht den gemeinhin "Kiwi" genannten Neuseeländer)
hinter Glas in einem dunklen Vogelhaus. Nett, aber für den Preis... Na ja,
wir waren ja schon in Australien gearnt worde, daß die Kiwis (jetzt meine
ich die menschlichen Neuseeländer) es gut verstehen, den Touristen das Geld
aus der Tasche zu ziehen. Für die Einheimischen gab's übrigens einen kostenlosen
Hintereingang... Anschließend marschierten Britta und ich dann noch in das
"Polynesian Spa", wo wir uns im mit 36 Grad recht wohltemperierten Wasser
("sch... ist das heiß!"- vor allem mit Sonnenbrand) zwei Stunden entspannten.
Faszinierend anzuschauen war dabei eine Japanische Touristengruppe, die ohne
zu zucken direkt in das 42-Grad-Becken marschierten! Respekt! Mein großer
Zeh wollte schon einem gekochtem Hummer Konkurrenz machen, als ich ihn nur
testweise mal in das Becken steckte...
Für den Abend hatten hatten wir noch ein wenig mehr Geld angelegt, aber dafür
wurde im Tamaki Village, einem weiteren "authentisch nachgebauten" Maori-Dorf
eine nette Tanz-Show geboten und wir konnten uns beim anschließenden "Hangi-Style"-Festmahl
(gekocht im Erdofen, halt "echt authentisch", aber trotzdem recht lecker)
den Bauch vollschlagen.
Der nächste Tag brachte dann das erste adrenalin-pumping adventure, als wir
uns im Gummianzug mit Helm und Stiefeln ausgestattet auf LKW-Schläuchen beim
sogenannten Cave-Tubing bzw. Blackwater-Rafting in Waitomo durch eine ziemlich
nasse, kalte und dunkle Höhle (Glowworm-Cave) treiben ließen. Erst etwas klaustrophobisch,
aber man gewöhnt sich recht schnell an die Untergrundwelt, und als dann an
der Höhlendecke Hunderttausende von kleinen Glühwürmchen auftauchten, kamen
wir auch aus dem Staunen nicht mehr heraus. Etwas unterkühlt gab's dann noch
eine heiße Suppe, bevor es nach Taupo, unserem Ziel für den Tag, weiterging
- nicht zu vergessen der Supermarkt-Stop, der angeblich (laut KI-Busfahrer)
zu lange dauerte, so daß der Fotostop an den Huka-Falls leider ausfiel. Trotz
offener Schranke behauptete unser Chauffeur, daß der Parkplatz schon geschlossen
sei - wir vermuten, er wollte nur so schnell wir möglich Feierabend machen
und mit dem Biertrinken anfangen. Na gut, kann ja passieren...
Den planmäßigen freien Tag in Taupo wollten
wir dann nutzen, um den den angeblich schönsten Daywalk in Neuseeland zu machen,
die Tongariro-Crossing. Schade nur, daß das Wetter (zu starker Wind und Regengefahr)
nicht mitspielte. Na gut, kann ja passieren...
So marschierten wir zum Wasserfall, den wir am Tag zuvor verpasst hatten,
und weiter zu den "Craters of the Moon", einem Tal, wo es alle paar Meter
aus der Erde dampft und brodelt und der Schwefelgestank einem fast schon die
Sinne raubt (wer hat hier nur die ganzen faulen Eier liegenlassen?). Anschließend
noch ein bisschen Shopping und dann Gute Nacht in unserem Vier-Quadratmeter-Zwei-Bett-Schlafsaal
(Umdrehen nur bei geöffneter Tür möglich).
Wenigstens einen gut zweistündigen Walk im Tongariro
National Park konnten wir dann am nächsten Vormittag machen, bei einem
planmäßigen Bus-Stop (alternativ wäre auch ein Café in der Nähe gewesen...).
Die erste halbe Stunde des "Walks" war allerdings eher ein "Stand", als wir
unter dem Vordach einer nahen Ferienwohnung einen recht ergiebigen Schauer
abwarteten. Auch auf dem Weg wurden wir nicht vom Regen verschont, außerdem
war die Strecke ungefähr doppelt so lang wie von unserem Busfahrer gesagt,
so daß wir etwas zu spät zum Bus zurückkehrten (damit der nächste Supermarkt-Stop
nicht gekürzt werden mußte, drückte er dann ziemlich auf's Gas...). Ziel für
die Nacht war River Valley, eine einsame Lodge in einem abgelegenen Tal, auf
die sich außer den KI-Fahrgästen wohl niemand verirrt. Nach einigen Spielen
auf dem Beachvolleyball-Feld und einem reichlichen Abendessen folgten noch
einige Runden Kartenspiel und am nächsen Morgen das
Ultimative adrenaline-pumping thrill-adventure of a lifetime:
HORSE-RIDING!!!
Auf das langeilige Whitewater-Rafting habe ich liebend gerne verzichtet (na
ja, eigentlich musste ich eher meiner leichten Erkältung Tribut zollen), zugunsten
meiner ersten zwei Stunden auf dem Rücken eines Pferdes.Mit von der Partie
war auch Bente (dieaus Kiel), die uns in der Zwischenzeit wieder eingeholt
hatte. Der alte Gaul hat das Rauf und Runter in dem ziemlich zerklüfteten
Gelände überlebt (ich auch) und so machte ich mir nicht ganz unberechtigte
Hoffnungen auf eine Wildcard für den Großen Preis beim Wiesbadener Pfingstturnier
- das in diesem Jahr dank Maul- und Klauenseuche (zu irgendetwas ist sie also
doch gut) sogar auf einen Termin nach meiner Rückkehr verlegt wurde! Also,
Pferdesportfreunde aufgepasst: Voraussichtlich im September könnt Ihr sehen,
wie ich die Weltelite in Grund und Boden reite und zwischen Hugo Simon und
Ludger Beerbaum auf dem Treppchen stehe!!! (By the way: Könnte mir jemand
ein Pferd leihen?!? Ich glaube, mein neuseeländischer Gaul würde den Flug
nicht überleben...)
Doch zurück zur Realität, wenn auch dere vergangenen: Die folgenden
Tage waren wenig spektakulär und die erwähnenswerten Begebenheiten habe ich
schon auf den Fotoseiten (Wellington,
Nelson,
Westport
und Lake
Mahinapua) verewigt. Wer also befürchet hat, daß dieser Newsletter
wieder alle Längenrekorde bricht: Keine Angst, ich erspare Euch die zahlreichen
weiteren Café- und Supermarkt-Stops und das Regenwetter, das uns die Ostküste
Neuseelands hinunter begleitete. Darüber habe ich mich schon genug geärgert.
(Übrigens, wer es noch nicht zwischen den Zeilen gelesen hat: Ich kann Kiwi
Experience nicht wirklich guten Gewissens für eine Bustour durch Neuseeland
empfehlen - zumindest für alle über 23 und mit weniger als zwei Litern Bierkonsum
pro Abend.)
Nächster erwähnenswerter Stop war dann Franz Josef
Glacier, wo wir drei Tage lang hofften, einen Heli-Hike mit Übernachtung
auf einer Hütte starten zu können. Doch das Wetter spielte nicht mit, kein
Heli flog und wir mußten uns mit einen Halfdaywalk im Grünen und einer Daytour
zu Fuß den Gletscher rauf und wieder runter begnügen. Na gut, kann ja passieren...
In Europa käme ich wohl nicht unbedingt auf die Idee, einen Gletscher hochzuklettern,
aber in Neuseeland war das natürlich ein Muss. So kletterten wir also fasst
alleine (nur wenige hundert andere Touristen waren auch da) den Franz Josef
rauf, ausgerüstet mit Steigeisen und Eispickel, über Spalten und durch Tunnel
bis in höchste Höhen (na ja, mit dem Heli wären wir höher gekommen...). Unserem
Spitzhacke-schwingenden und so Stufen-schlagenden Guide immer hinterher kamen
wir trotz nur einmal kurz zwischen den tief hängenden Wolken hervorschauender
Sonne etwas ins Schwitzen. Die Anstrengung hat sich aber gelohnt, denn - wie
gesagt - in Euopa würde ich so etwas nicht unbedingt machen. Ein weiteres
folgenreiches Ereignis begab sich im YHA des Ortes, wo wir zum ersten Mal
Robert und Magnus, zwei Engländer auf Weltreise, trafen. Es sollte nicht das
letzte Mal sein, doch ersteinmal endete ein Pizza-Essen damit, dass Bente
und Wiebke ihre nächste Reise-Etappe im Auto von Robert und Magnus zurücklegten
Das einzig Erwähnenswerte am nächsten Ort der Reiseroute, Wanaka,
war der erfolglose Versuch, einen Tandem-Skydive zu machen. Der zu starke
Wind machte mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Na gut, kann ja
passieren...
Wie man die Strecke von knapp einhundert Kilometern von Wanaka bis nach Queenstown
in über sechs Stunden zurücklegt, demonstrierte unser Fahrer am nächsten
Tag. Kaum eingestiegen kam 3 (in Worten: drei) km nach dem Ortsausgang der
erste einstündige Stop bei der "Puzzleworld" - natürlich mit angeschlossenen
Café (das puzzlen sparte ich mir, der Kaffee hat auch nicht geschmeckt) nach
weiteren etwa 15 km folgte der nächste einstündige Stop bei der "Shooting-World",
wo ich an ein paar Golfbällen meine Aggressionen ausließ (arme Golfbälle).
Ach ja, Café war dabei. Dann ging es, mit einem kurzen Fotostop, direkt -
nein, noch nicht nach Queenstown, sondern zuerst zu der Original Bungee-Brücke
über den Kawarau-River, wo sich einige Waghalsige aus dem Bus die 42m in die
Tiefe stürzten und dabei ein wenig oder richtig nass wurden. Zwei Stunden
hat das gedauert - wie gut, daß ein Café dabei war... Anschließend ging es
dann tatsächlich nach Queenstown rein, wo ich nach dem Fotoshooting des obligatorischen
KI-Gruppenfotos mitsamt meinem Gepäck das Weite gesucht habe. Mein Hostel
war glücklicherweise direkt um die Ecke, wie ich später erfuhr sind die anderen
Mitreisenden erst über eine Stunde später in ihren Hostels angekommen! Da
hatte ich mal Glück gehabt, kann auch mal passieren!
Aus lauter Verzweiflung über das ganze schlechte Wetter und die ausgefallenen
Touren, die vielen viel zu langen Café- und Supermarkt-Stops, die durchgeknallten
KI-Busfahrer, den Touristen-Nepp, die Scheidung von Britta und den nahen Untergang
der Menschheit (ok, die letzten beiden Gründe habe ich gerade erst erfunden)
habe ich mich noch am Abend von einer Aussichtsplattform über Queenstown in
die Tiefe gestürzt. Genützt hat es nichts, denn ich hatte vorher ein Gummiseil
um den Bauch gebunden bekommen. Dafür hatte ich auch noch einen Haufen Geld
bezahlt (die Neuseeländer machen auch noch mit der Verzweiflung der Touristen
Geld) und es auf Video aufnehmen lassen. Und Rob und Magnus (die zwei
Engländer aus Franz Josef) haben zugeschaut und Fotos gemacht. Tolle Freunde!
Ach ja: "The Ledge Bungy" nannte sich das Ganze übrigens...
Während Britta am nächsten Morgen mit Marschgepäck und Verpflegung zu einen
dreitägigen Walk durch die Wildniss des Südens aufbrach bestand ich noch ein
weiteres Abenteuer in der Adrenalin-Hauptstadt Neuseelands: den Shotover-Jet.
Mit einer Horde quitschender und kreischender Hongkong-Chinesen im Boot schossen
wir handbreit an den Felsen des Shotover-River-Canyons vorbei und unser Fahrer
vollbrachte ungezählte 360-Grad-Drehungen, bei denen jeweils die rechte oder
linke Seite des Bootes eine volle Ladung Wasser auf die Ohren bekam. Und ich
saß ganz rechts außen - ich glaube, der kleine Mensch neben mir hat keinen
einzigen Tropfen abbekommen...
Die folgenden drei Tage verbrachte ich im "Bottom-Bus", der - wie der Name
schon richtig vermuten lässt - fasst bis zum Südpol fährt. Zumindest so weit
das Neuseeländische Festland reicht. Faszinierende Landschaft,
von Dunedin über
Riverton bis
Te Anau,
aber mehr auch nicht. Daher reicht es, die Fotos anzuschauen. In Te Anau verabchiedete
uns der Fahrer mit den Worten: "F... You! Seht zu, daß Ihr endlich aus meinem
Bus rauskommt!" Auch wenn es als Scherz gemeint war, steckte sicher
auch ein Fünkchen Wahrheit darin. (Komische Leute, diese Neuseeländer. Außerdem
war da noch dieses Leuchten in seinen Augen, als wir uns der Schafherde näherten...
- Achtung: Insider! Jeder Australier würde mich verstehen ;-) ) Na ja, kann
ja passieren...
Nach dieser Begegnung der neuseeländischen Art trug mich der große grüne Bus
(ok, diesmal war er weiß, der grüne war mal wieder reif für die Werkstatt,
aber der Fahrer war von KI) zum Höhepunkt der Neuseelandreise (nein ehrlich:
diesmal wirklich ernst gemeint!) in die Fjordlandschaft des Südwestens und
den berühmten (und dadurch auch wieder recht touristischen) Milford Sound.
Die Nachmittags-Cruise (war im Busticket mit drin) ließ dabei erahnen, wie
das Wetter im Milford Sound an zwei von drei Tagen ist: Regen, Regen, Regen.
Nicht ohne Grund ist der Sound auf Platz zwei der Orte mit den meisten Niederschlägen
- nicht in Neuseeland (da hat er Platz 1) sondern sogar auf der gesamten Erde!
Aber rechtzeitig zum Beginn der Nightcruise auf der Milford Wanderer (einen
schwimmenden YHA-Hostel!), die ich zusätzlich gebucht hatte, hörte der Regen
auf, wir konnten Seekayaken (vom Schiff aus) ohne nass zu werden (zumindest
von oben) und am nächsten Morgen (Wecken um sechs) hatten wir fast strahlend
blauen Himmel! Es war zwar saukalt (vor allem so früh morgens, aber wenigstens
war man sofort hellwach und der Kaffee (genauso inklusive wie das üppige und
leckere Abendessen und Frühstück) wärmte einen dann schon wieder auf. (Unbedingt
Fotos anschauen!)
Glücklicherweise musste ich dann nicht den Rest des Tages auf den KI-Bus warten
(mit nur einen schlechten Café und keinem Supermarkt wäre das wirklich langweilig
geworden), sondern zwei Mädels (eine aus Canada und die andere aus England)
nahmen mich mit wieder zurück nach Queenstown. Dort hatte ich ursprünglich
geplant, nochmal zwei Nächte zubleiben, aber im Laufe des Nachmittags entschied
ich mich, am nächsten Tag schon nach Christchurch
zu fahren. Da der KI-Bus schon voll war, buchte ich einen Platz bei einer
anderen Gesellschaft. Doch nicht mehr als drei Minuten danach traf ich Magnus
und Robert wieder, die am nächsten Morgen auch (wieder) mit ihrem Auto nach
Christchurch wollten, und da sie noch ein Plätzchen für mich frei hatten,
nahm ich dieses Angebot natürlich liebend gerne an. Also Bus wieder gecanceled
(gegen 5$ Stornogebühr) und am nächsten Morgen ging es dann auf die letzte
(Straßen-) Etappe der Neuseelandreise.
Nach den ersten Kilometern wurde mir bereits klar, warum Bente und Wiebke
ihre Fahrt mit den Beiden ziemlich "aufregend" fanden... Bis zum ersten Zwischenstop
am leuchtend-hellblauen Lake Tekapo hatten wir den KI-Bus ein- und damit seinen
eineinhalbstündigen Vosprung aufgeholt! Beim nächsten Stop ein paar Kilometer
weiter sahen wir den Bus noch um eine Ecke verschwinden, bevor wir unser Mittagessen
organisierengingen. Als wir anschließend wieder losfuhren lief plötzlich ein
kreischendes Etwas neben uns her, woraufhin Robert eine Vollbremsung hinlegte
und aus dem Auto sprang. Die Person, die dann ihren Nase ins Auto steckte
und einen weiteren spitzen Schrei losließ war niemand anderes als...
Bei jeder TV-Soap-Opera käme jetzt Werbung....
... oder diese Folge wäre zu Ende und man müsste bis morgen oder nächste Woche
warten...
... also gut, hier die Werbung:
Kauft bei ALDI, jetzt auch sechs Mal in Sydney! (Ehrlich war! Und die Tüten
kosten 15c)
Ok, ok, ich will ja nicht so sein! Hier also die Auflösung:
Die Person, die dann ihren Nase ins Auto steckte und einen weiteren spitzen
Schrei losließ war niemand anderes als...
Britta!!!
Sie war unterwegs, von einem Abstecher zum Fuße des Mt. Cook (dem höchsten
Berg Neuseelands) kommend, in den KI-Bus gestiegen und hatte am vorherigen
Stop zwar Robert und Magnus gesehen, aber mich irgendwie nicht (keine Ahnung
warum). Und jetzt war ihre Busfahrt auch schon wieder zu Ende, denn im Auto
war ja noch ein Platz frei! Also ging es im jetzt vollgeladenen, aber deswegen
nicht etwa langsameren (dafür sorgte schon Magnus' Bleifuß), Auto direkt nach
Christchurch.
Die restliche Zeit bis zum Rückflug nach Sydney waren angefüllt mit (u.a.)
- Haare schneiden (Robert und Magnus gegenseitig)
- zur Delphin-Tour nach Kaikura fahren (Britta)
- shoppen, Straßen-Comedians zuschauen, in der Sonne sitzen und lesen (ich)
Aber eine Sache war da noch...
Zum Abschluß der vier Wochen Neuseeland hatte ich für den letzten Tag einen
Platz im TranzAlpine reserviert, eine der zehn schönsten Zugfahrten der Welt
(laut irgendwelchen Umfragen) von Christchurch nach Greymouth an der Westküste
und wieder zurück. Als ich am letzten Tag dann morgens am Bahnhof ankam und
mein Ticket abholen wollte, eröffnete mir der Mensch am Schalter, daß zu seinem
größten Bedauern heute leider kein Zug fahren würde. Nach einem Feuer auf
der Strecke, das eine der Brücken beschädigt hatte, steckte der Zug an der
Westküste fest, aber mein Ticket sei gültig für einen Ersatzbus, der ebenfalls
an einem Tag hin- und zurückfahen würde. Na ja, kann ja passieren...
Innerlich am kochen verzichtete ich dankend auf einen weiteren Tag im Bus
und mußte im Taxi wieder zurück in die Stadt fahren weil der kostenlose Shuttle-Bus
leider schon weg war. Na ja, kann...
ABER WARUM MUSS ES IMMER MIR PASSIEREN??????!!!!!!!
Irgendwie war ich froh, als ich nächsten Tag wieder im Flieger saß - ohne
daß der Busfahrer uns am falschen Terminal rausgelassen oder Qantas nur einen
Platz für uns beide reserviert hätte, ohne daß der Flug wegen schlechtem Wetter
gecanceled worden wäre oder der Pilot uns mit "F... You! Seht zu, daß Ihr
endlich aus meinem Flugeug rauskommt!" verabschiedet hätte, oder daß vielleicht
zum krönenden Abschluß das Flughafenterminal abgebrannt wäre...
Nicht, daß mich jemand falsch versteht: Neuseeland ist absolut eine Reise
wert, die Landschaft wunderschön, die (meisten) Menschen sehr freundlich und
unsere vierwöchige Tour war ein tolles Erlebnis, das ich auf keinen Fall irgendwie
breue! Wir hatten halt nur irgendwie etwas Pech - und das falsche Busunternehmen
gebucht! Also: Wer in nächster Zeit nach Neuseeland reist: Finger weg von
Kiwi Experience! Und Alles wird gut ;-)
So, Ihr habt es mal wieder überstanden, auch wenn ich mich nicht gerade kurzgefasst
habe... Falls Ihr meinen Namen immer noch nicht auf den Spam-Filter
gesetzt habt, gibt's bald wieder einen Newsletter!
Momentan bin ich übrigens irgendwo im Norden von Tasmanien, auf der Suche nach dem letzten
Exemplar des angeblich ausgestorbenen Tasmanischen Tigers - doch auch dazu
bald mehr!
Erst einmal viele Grüße aus Under Downunder
Euer
Tasmanian Devil
(Heiko)