Heiko`s Aussie-Newsletter Nr. 8 - Auf derJagd nach dem Tasmanischen Tiger

 

Liebe Newsletter-Leser und Naturfrende,

manche werden sich denken: Schoooon wieder ein Newsletter aus Downunder - aber dieser kommt nicht aus Downunder Mainland sondern von Under Downunder! Und das heißt nicht, daß ich schon wieder in Neuseeland bin, sondern ich habe mich auf die Jagd nach dem legendären Tasmanischen Tiger gemacht, jenem legendären aber angeblich seit einigen Jahrzehnten ausgestorbenen Wappentier des südlichsten Bundesstaates Australiens: Tasmanien.

Los ging es mit der Jagd im Internet - allerdings zuerst die Schnäppchenjagd nach einem günstigen Flug. Meinen Jagdschein habe ich schon auf der Website von Qantas, der australischsten aller Airlines, gefunden: Ein Return-E-Ticket für unter AU 300! Dank der neuen Billigflieger-Konkurrenz, hat auch Qantas die Preise kräftig gesenkt - meine Meilen bekomme ich aber trotzdem :-)

Den Zettel mit der sechsstelligen Buchungsnummer (die ich dann noch nicht einmal angeben mußte) in der Tasche stand ich am 6. April dann um viertel nach sechs (morgens natürlich, irgenein Haken musste ja an dem günstigen Preis dran sein...) am Flughafen und bekam tatsächlich (Wunder der Technik) ohne Ticket mein Plätzchen im vierstrahligen 50-Sitzer auf die Insel unter Downunder.

Was macht man um neun Uhr morgens in Hobart, Hauptstadt Tasmaniens, kurz nachdem man angekommen ist? Gute Idee: Kaffee trinken! Also auf die Pirsch durch die City runter an den Hafen und zum Salamanca Place, wo in den alten Sandsteinhäusern neben zahlreichen Kunstgalerien (mit erstaunlich wenig Touristen-Nepp) noch mehr Cafés und Restaurants schon um diese frühe Zeit auf Gäste warten. Nach zwei Café Latte, der am Bistrotischchen in der Sonne mit Blick auf's Meer nochmal so gut schmeckt, war ich dann endlich wach genug, um die Spur des Tasmanischen Tigers aufzunehmen. Erste Spuren fanden sich im Museum, allerdings eher als Nachruf auf eine ausgestorbene Spezies. Dazu eine Ausstellung von Objekten, die etwa 30 Künstler aus einem einzigen Eukalyptus-Baum gezaubert haben. Dieser Baum hatte in jungen Jahren (also Anfang des letzten Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends) vielleicht noch ganze Tasmanische Tigerfamilien gesehen... Nachmittags noch ein paar Fotos im Hafen schießen und ein kleiner Stadtbummel, aber außer Plüschtigern, Tigern auf T-Shirts und den Bussen der 'Tigerline' kein weiterern Hinweis auf das Getier. Hier in der Stadt würde das wohl auch nichts mehr werden...

Nach dem erfolglosen Versuch, im Hobart Aquatic Centre eine Runde Schwimmen zu gehen ("Wegen Feuer geschlossen"), und während am Horizont eine dunkle Rauchwolke von einem außer Kontrolle geratenen Buschfeuer in den Himmel stieg (warum war der Tasmanische Tiger ausgestorben? Brandrodung? Feuerwaffen? Flammenwerfer?), drehte ich am nächsten Morgen zuerst eine Runde über den Salamanca Market (Obst, Gemüse, Kunsthandwerk, Bücher, etc. - den Tasmanischen Tiger fand ich aber wieder nur auf Bildern, T-Shirts und anderen "Souvenirs"), Kaffee inklusive. Ein Spaziergang in den Vorort "Sandy Bay", einer wohl früher mal sandigen Bucht mit einem hässlichen Hotel/Casino an der schönsten Stelle, brachte auch keine Erkenntnisse, also versuchte ich mein Glück auf der HMAS Warramunga, dem neuesten Schiff der Australischen Kriegsmarine (gebaut nach deutschen Plänen), das im Hafen lag und zu besichtigen war. Doch leider war der hochmoderne Aufklärungshubschrauber, den ich mir eigentlich für meine weitere Jagd ausleihen wollte, gerade nicht an Bord, so daß ich unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.

Doch der folgende Morgen brachte mich einen deutlichen Schritt weiter: Der Bus von Underdownunder-Tours, mit denen ich eine Sieben-Tage-Tasmanien-Backpacker-Bus-Tour gebucht hatte, fuhr direkt in die Wildnis und den Regenwald des Tasmanischen Südwestens. Und schon bei einem der ersten Stops stand er vor mir: Der Tasmanische Tiger! Doch halt: Warum bewegt er sich nicht?!? Verdammt, nur eine holographische Projektion!

Das erste Erfolgserlebnis war genauso schnell verflogen wie das sonnige Wetter der beiden Tage in Hobart, soll heißen: Regen für den Rest des Tages. Aber die Landschaft (manchmal mit Wasserkraftwerk) und die Natur, die wir auf dem Weg an die Westküste aus dem Busfenster und bei einigen kurzen Walks (z.B. rund um die geografische Mitte Tasmanien) auch direkt bewundern konnten, hatte den Abstecher nach Tassie schon gerechtfertigt! Und die Hoffnung, vielleicht doch noch den letzten lebenden Tasmanischen Tiger zu schießen (natürlich nur mit der Kamera) hatte ich noch längst nicht aufgegeben! (Immerhin lockte auch die "Geld-zurück-Garantie" von Underdownunder-Tours bei Vorlage eines fotografischen Beweises für die Existenz eines lebenden Tasmanischen Tigers;-) )

Ein weiterer Regentag kündigte sich allerdings schon am nächsten Morgen, und tatsächlich wurde unsere kleine Jagdgesellschaft bei einem zweistündigen Walk um den "Dove Lake" am Cradle Mountain so richtig pitsch-nass. Eigentlich ein Wetter, bei dem man keinen Hund hinter dem Ofen hervor bekommt, geschweige denn einen Tasmanischen Tiger vor die Kamera! Aber - oh Wunder - auf dem weiteren Weg an die Nordküste (irgendwie ist Tasmanien nicht wirklich groß) kam die Sonne zuerst ein bisschen hervor (was wir wieder für einige kurze Walks nutzten), bis wir bei unserem letzten Stop des Tages an einem Wildlife-Park wieder strahlend blauen Himmel hatten. Dort ging die Suche weiter: Zwischen Wombats (zum knuddeln!), Koalas (mit gebrochenem Bein), Echidnas und Walabies, Kookaburras und Eulen musste sich doch einer versteckt haben - da! Hach, wieder nur ein ausgestopftes Exemplar... Aber wenigstens endlich einige lebende Tasmanische Teufel! Nur echt mit den roten Ohren :-) Die kleinen Teufelchen haben es übrigens faustdick hinter eben diesen Ohren, denn ihre Kauwerzeuge sind stärker als die eines American Pitbull! Als eher ungeeignet für einen Streichelzoo...

Mit neuem Fahrer ging es am nächsten Morgen für zwei Tage in den äußersten Nordwesten der Tasmanischen Insel. Endlich wieder mehr Sonne, aber außer fiesen Spinnen und ziemlich un-lebendigen Stalagmiten und -titen (die alle paar tausend Jahre auch mal runterfallen oder umkippen)  gab's zumindest in der Höhle, in die wir als erstes kletterten, nichts Gefährliches zu entdecken. Unzählige Pinguine in jeder erdenklichen Form, u.a. als Pappmaché-Figur vor fast jedem Laden (inklusive Tankstelle und Friseur) gab es in dem Dörfchen Penguin an der Nordküste zu besichtigen. Woher bloß der Name kommt?!? Ach ja, Gerüchten zufolge hat es früher mal einige lebendige Exemplare in der Nähe gegeben (Im Gegensatz zum Tasmanischen Tiger...), heutzutage ist Penguin allerdings der einzige (!) Ort an der Nordküste, wo es keine Pinguine (mehr) gibt! (Das kommt davon, liebe Penguinesen, wenn man alle natürlichen Strandvegetation ausreißt und nett aussehende Parks anlegt... Dämlich, oder?!)

Zum Mittagessen an einem netten kleinen Strand (immer noch mit Sonne von oben) gab es anschließend in heißem Öl gebackene Stücke von kürzlich noch lebenden Meeresbewohnern und dazu kross fritierte Erdäpfelstreifen, in manchen Ländern auch bekannt unter Bezeichnung "Fish and Chips". Yammmmmmm! So gestärkt ging es wenig später auf einen netten kleinen Bushwalk, inklusive Besichtigung zweier seit Jahrtausenden von Aboriginals bewohnter Höhlen (mit Meersblick), die allerdings seit der großen Aufräumaktion im Namen der englischen Krone, der in den letzten beiden Jahrhunderten neben den tasmanischen Aboriginals auch große Gebiete Buschland und Regenwald sowie wohl auch der Tasmanische Tiger zum Opfer gefallen sind, ziemlich leer stehen. Auf dem Weg zum nächsten Übernachtungsort Stanley noch ein kurer Stop am BIG Tree (ziemlich groß halt) und an einem Wasserfall (endlich mal wieder ein Wasserfall!!!), dazu super-interessante Erklärungen zu allen möglichen Eigen-Arten des tasmanischen (Regen-)Waldes von unserem Guide Andi, dann war der Tag auch schon wieder am Ende.

Die zweite Hälfte des zweitägigen Trips ("to the Edge of the World") begann mit 13 Windstärken (so ungefähr jedenfalls) am westlichsten Punkt der Insel, wo wir uns kaum auf den Beinen halten konnten. Wenn der Wind über eine Entfernung von drei Vierteln des Erdballs (kein Land zwischen Südamerika und Tasmanien!) Anlauf nehmen kann, dann wird's dort halt ab und zu recht stürmisch - aber dafür ist die Luft dort so sauber wie sonst fast nirgends mehr auf der Welt!

Nach ein paar Mal kräftig einatmen bestand der restliche Tag aus einer gemütlichen River-Crise auf dem Arthur-River im alleräußersten Nordwesten, dem einzigen völlig unberührten und naturbelassenen Fluß Tasmaniens, d.h. ohne Stauseen, Fabriken oder überhaupt irgendeiner menschlichen Siedlung! Leider war ein kompletter Reisebus voller englischer, canadischer und festland-australischer Rentner-Touristen im geschätzten Durchschnitsalter von deutlich über sechseinhalb Jahrzehnten (hupps, wollte gerade "Jahrhunderten" schreiben ;-) ) mit an Bord, was nicht gerade meiner Vorstellung von einer Backpacker-Tour "off the beaten track" entsprach, aber da gab es leider kein Entkommen... Und bei dem Geschnatter und Über-jede-kleine-Wurzel-Fallen beim Mini-Bushwalk kurz vor dem kollektiven BBQ-Mittagessen im Regenwald war natürlich jeder Gedanke an eine Tiger-Sichtung von vorneherein illusorisch. Na ja, Schicksal... Wenigstens einen vorbeischwimmenden Platypus und ein paar Kookaburras konnten wir beim kurzen Kaffee-, Tee- und Kekse-Stop noch bewundern, und so ging es wieder zurück nach Davenport ins Ex-Hospital-Hostel für super-günstige 10 (in Worten:zehn) AU$ pro Nacht! So billig war's bisher noch absolut nirgends, und Brot, Karttoffeln und sonstiges Gemüse in rauhen Mengen inklusive! Da konnte ich auch den afhanischen Moslem, der um halb sieben am nächsten Morgen murmelnd auf seinen Gebetsteppich in der Ecke des Zimmers lag und mich effektiver als jeder Wecker aus dem Schlaf holte, gut verkraften! (War sonst ein echt netter Afghane!)

Neuer Tag, neue Leute: von drei auf dreizehn, also gemütlich voll im Bus, aber alter Fahrer (Chris). Olivier (aus Frankreich) und Brigitte (Schweiz) stiegen aus, so daß von Davenport bis Hobart dann außer mir (Deutschland) noch Leanne (England), Keiko, Chiyomi, Michiko, Eriko (alle Japan), Elly, Clara (Holland), Caroline (Irland), Jaime, Puilin (Malaysia), Sally (Korea) und Kumar (Nepal) mit an Bord waren, also eine echte Multi-Kulti-Truppe! Von Davenport ging es über Launceston (kleiner Café- und Shopping-Stop in der City) in Richtung Nordwesten. Der Bushwalk des Tages führte uns später zu den Ralph Falls, wo reichlich Gelegenheit war, die Beine auszuschütteln und Fotos zu machen (das letzte galt besonders für die japanischen Mädels...) Nach einigen Kilometern über Schotterpisten und durch Regenwald und Holzplantagen (dazwischen noch ein paar Wasserfälle) schauten wir noch bei Slops, the beer-drinking pig vorbei und genehmigten der alten Sau (die sich tierisch darüber freute) und uns selbst ein Bierchen. Als ich das Schwein allerdings dann fragte, ob in letzter Zeit ein Tasmanischer Tiger an ihrem Gehege vorbeigekommen ist, da war sie schon so betrunken, das sie nur sinnloses Zeug grunzte. Also wieder ein Tag vorbei und kein Jagdglück... Zusammen mit den letzten Sonnenstrahlen kamen wir kurz darauf in Scamander an, wo wir die Nacht zum Karfreitag verbrachten.

Bei strahlendem Sonnenschein (wie schon am Tag zuvor) war unser erster Stop am nächsten Morgen ein Osterfrühstücks- Kaffeestop mit Hot Cross Buns (das ultimative australische Ostergebäk), Anzac Cookies und einem groooßen Café Latte. So gestärkt ging es zum Bushwalk auf der Freycinet Halbinsel, eine gute halbe Stunde stetig bergauf zum Aussichtspunkt über der Wineglass Bay. Oben angekommen waren alle Hot Cross Buns und Anzac Cookies in Energie umgewandelt und sowieso vergessen, denn der Blick auf den Friendly Beach, einem der Top 10 Strände der Welt (laut irgendwelchen Umfragen, hat zumindest unser Guide Chris behauptet) war schon atemberaubend. Und der Ausblick war auch wieder ein gutes Geschäft für die australiche und japanische Fotoindustrie, denn die japanischen Mädels waren kaum zu bremsen in ihrem fotografischen Drang:

Ken Iu teek fotooo?

Oh keeh: Won, toooo, treeeee!

Sank Uuuuuuuhhhhhhh!

(Auf hochenglisch:

Could you please take a photo of me in front of this beautiful scenery?

Sure, no worries! Ok, are you ready? One, two, three, smile!

Thank you very much! Do you want me to take a photo of you?)


Nur der Tasmanische Tiger ließ sich beim Anblick dieser wilden Horde scharf schießender Touristen nicht blicken. Hatte ich auch nicht wirklich erwartet...

Auf dem Weg in Richtung Süden, und damit zurück nach Hobart, wo am nächsten Tag die Tour für mich zu Ende gehen sollte, statteten wir noch dem Bicheno Blowhole einen Besuch ab, das aber dank des guten Wetters mit wenig Wellen nur ein müdes Husten mit ein paar Tropfen Wasser von sich gab. Interessanter war da noch ein letzer Besuch im Regenwald, wo wir uns vom Sassafrass (dem Lieblingsbaum von Chris, unserem Guide), den Tree-Ferns (wachsen nur 1cm pro Jahr) und Uralt-Eukalyputs-Bäumen verabschieden mussten. Zum Ende des Tages machten wir dann noch eine Ghost Tour in den Ruinen der ehemaligen englischen Strafkolonie in Port Arthur mit, was passenderweise am Freitag den 13ten eine ziemlich gruselige Angelegenheit war - vor allem für die kleinen Asiatinnen, die sich herrlich leicht erschrecken ließen ;-)==) Buh - Hähähä!!!

Leider ließen sich weder die Geister der ehemaligen Bewohner noch die der letzten von Menschenhand erlegten Tasmanischen Tiger blicken, dafür folgte anschließend auf dem Campingplatz, auf dem wir Dank einer vergessenen YHA-Reservierung übernachten mussten, eine Freakshow der etwas anderen - australischen - Art, und wer schon einmal zu Ostern auf einem deutschen Campingplatz, kann es sich wenigstens annähernd vorstellen: Zelte und Wohnwagen, erweitert um bunte Planen und mit Sichschutz umbaut, mindestens ein mittel- bis extragroßer Grill - hier Barbie genannt (nicht wegen der Puppe...), so ziemlich jedes Camping-Accessoire, was es zu kaufen gibt (vom Faltstuhl mit Bierdosenhalter über den Falttisch mit Bierdosenhalter bis zum aufblasbaren Sofa mit Bierdosenhalter), dazwischen Kinder auf allem, was fährt oder mit allem, was Lärm macht und im Hintergrund die Anhänger mit Fisch- und Rennbooten, Angelruten, Motocross-Maschinen und was man halt sonst noch so im Osterurlaub auf Tasmanien braucht, vor allem, wenn man aus Queensland oder einem anderen fernen Bundesstaat angereist kommt und zweitausend Kilometer und mehr gefahren ist. Und die richtige Show geht nach Sonnenuntergang, und damit so etwa nach dem ersten Dutzend geleerten Bierdosen, los: Mutter brüllt die Kinder an, die Kinder heulen (beides, weil die Kinder nicht ins Bett wollen), Vater brüllt die Mutter an, daß die Kinder endlich still sein sollen, man unterhält sich lauthals mit dem Nachbarn (drei Plätze weiter), vom Barbie zischt und raucht es, Bierflaschen (auch die werden gerne getrunken) klirren und man ist fröhlich und glücklich. Höhepunkt der Show war eine Gruppe Halbstarker, die, wie wir, im "Bunkhouse" wohnten, mit drei Drei-Stock-Betten pro Zimmer, und die zu gar nicht so später Stunde, aber dafür um so voller, sich gegenseitig anbrüllend über den Platz kamen und sich dann noch im Zimmer eine mittlere Schlägerei lieferten. Für $11 (plus 20 Cent für die warme Dusche im kalten Toilettenblock) eine wirklich gute Show ;-)

Die zerdrückten Gesichter und kreischenden Kinder waren bei unserem Aufbruch am Morgen danach schon wieder voll in Aktion, auf den Barbies brutzelte das Frühstück und die Mülltonen waren dank der Bierdosen und -flaschen eher als mittlere Müllberge zu bezeichnen. Wir aber widmeten uns den natürlichen Schönheiten der Tasman-Peninsula, die man fast schon als tasmanische Version der Great Ocean Road bezeichnen kann, denn die Arches, Blowholes und steilen Felsformationen stehen der Küste zwischen Melbourne und Adelaide in nichts nach, außer daß es halt nur etwas wenigere sind. (Weitere Gemeinsakmeit: An beiden habe ich keinen Tasmanischen Tiger getroffen...) Ein besonderes Highlight war dabei ein Lookout mit reichlich Brandung und einem Tunnel in Richtung Meer, der im richtigen Blickwinkel fast exakt die Form von Tasmanien hatte. (Leider nicht auf den Fotos zu erkennen, war aber wirklich so!)

Nach einem zweiten Frühstück mit Hot Cross Buns (war ja schließlich immer noch Ostern) ging es dann auf direktem und schnellsten Weg nach Hobart, denn die meisten an Bord hatten den samstäglichen Salamanca Market ja noch nicht gesehen. Nach einem Schlenderer über den Markt, zwischen dutzenden von Ständen mit Tasmanischen Holz- Plüsch- und Plastik-Tigern, Bildern und Büchern über den Tasmanischen Tiger und den üblichen Souvenir-Schrecklichkeiten mit Abbildungen de Tasmanischen Tigers in jeder unrealistischen Weise, nutzte ich die Gelegenheit, meine Vorräte an Obst, Gemüse und so weiter für die nächsten Tage aufzufüllen, denn nach der anschließenden Fahrt auf den Mount Wellington (inklusive Schneeresten und reichlich stürmischem Wind 1.200m über Hobart) war die Fahrt mit Underdownunder für mich vorbei und ich musste wieder für mich selbst sorgen. Abends gab's noch ein Abschiedsbierchen und ein paar Runden Pool mit Chris und den anderen Mitfahrern und am nächsten Morgen machte sich die Jagdesellschaft ohne mich wieder auf den Weg.

Aber Lebbe geht weider, auch auf Tasmanien, und was könnte man am Ostersonntag besseres machen als Ausschlafen?!? Nun ja, eigentlich Nichts (Ok, vielleicht Jagd auf den Tasmanischen Tiger jagen, aber das hatte ja bisher auch nicht geklappt) - außer man hat eine katholische Kirche direkt vor dem Fenster!!! Glocken und Orgel, abwechselnd oder gleichzeitig, non-stop von 7 bis 11, das hält einen garantiert davon ab! Also lieber Wäsche waschen, ausgiebig Frühstücken und später Gemüse putzen für's Mittagessen, Buch lesen und Newsletter schreiben (geht besonders gut bei Hot Cross Buns und Cafe Latte in der Sonne sitzend am Salamanca Place!) und am Abend dann vietnamesisch Essen mit Petra (Medizin-Studentin auf Auslands-Praktikum und mit mir im Hostel angekommen), ihrer Zimmergenossin (zur Abwechslung mal eine Japanerin) und einer netten Dame aus Melbourne, die zum ersten Mal in einem Hostel abgestiegen und leicht geschockt von dem war, was sie unter ihrem Bett gefunden hatte (einen toten Tasmanischen Tiger und jede Menge Staub :-) ). War ein sehr netter Abend, der mit einigen Bierchen in einem Irish Pub endete, der zu guter Letzt von einer Horde volltrunkener Aussies heimgesucht wurde. Der mit den glasigsten Augen stand in der Mitte und bettelte die anderen um ein frisches Glas Bier an, das diese bereitwillig in seine gefesselten Hände steckten. Nachdem er einige Schritte auf uns zu geschwankt war und wir ihn nach ein paar Mal nachfragen auch verstanden, stellte sich heraus, daß es sein Junggesellen-Abschied war und er sich am nächsten Tag neben seiner (wahrscheinlich in einer anderen Bar ebenso betrunken herumfallenden) Verlobten vor dem Standesamt einzufinden hatte. Was wir nicht wissen ist, ob er das tatsächlich auch geschafft hat :-) (Von einem Anderen weiß ich es aber sicher: Lieber Torsten, Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Hochzeit! Wir trinken darauf in ein paar Wochen...)

Ostermontag wäre dann eigentlich wieder eine gute Gelegenheit zum Ausschlafen gewesen... aber die Erfahrung vom Vortag hatte mich bereits eines Besseren belehrt und so stand ich am nächsten Morgen mit den ersten Glockenschlägen auf und machte mich nach Frühstück und Packen auf den Weg zu meinem Mietwagen, einem alten Mazda, den ich für $39 pro Tag gemietet hatte - für $1.000 aber wahrscheinlich auch hätte kaufen können... Das Ziel des Tages war das südlichste YHA Australiens in Lune River, weit südlich von der Route, die wir mit der Bustour gefahren waren, und somit ein hervorragender Ausgangspunkt für meine weiteren Jagdbemühungen nach dem Tasmanischen Tiger. Ein paar nette Aussichtspunkte auf der Strecke wollten natürlich auch besichtigt werden, darunter der Shot Lead Tower, direkt vor den Toren Hobarts gelegen, in dem im letzten Jahrhundert preisgekrönte Schrotmunition hergestellt wurde, indem heißes Blei aus fünfzig Metern Höhe in einen Bottich mit kalten Wasser getropft wurde (Faszinierend, oder?!). Außerdem hat man von dem Turm auch noch eine gute Aussicht auf die Bucht vor Hobart. Der Abend im YHA ging dann drauf für Buch lesen und Homepage basteln, die Ergebnisse sind hier zu besichtigen :-)

Der nächste Tag war dann ein ganz fauler und außer einem Bushwalk an die fast südlichste Spitze Tasmaniens habe ich in der Sonne gesessen, Newsletter geschrieben, weiter Buch gelesen und noch mehr Homepage gebastelt. Gähn. Noch nicht mal Lust auf Tigersuchen hatte ich, obwohl die Gegend (zwischen Regenwäldern und Eukalyptus-Plantagen gelegen) eigentlich nicht die schlechtesten Chancen bot.

Nach der zweiten Nacht im Mini-YHA (3 8er-Zimmer, Tipi und Zeltplatz, das Büro war im Gartenhaus untergebracht) war dann wieder etwas mehr Aktivität angesagt und es ging morgens um acht auf eine vierstündige Kanutour auf dem Lune River, inklusive Frühstück, Angeln, Austern sammeln (bzw. mit Hammer und Meißel von den Felsen abklopfen) und Rückfahrt in einer alten Schmalspurbahn, die alle paar Meter so stark rüttelte und schüttelte, daß man Angst haben mußte, aus dem offenen Wagen zu fallen und anschließend vom Tasmanischen Tiger in die Wildnis verschleppt zu werden! War aber superviel Spaß und weil niemand sonst die frischen Austern haben wollte, bekam ich den Eimer in den Kofferraum gestellt, bevor ich mich auf den Rückweg nach Hobart machte, wo ich Petra in ihrem neuen Heim mit einem Austern-Kartoffel-Omelette überraschte (ihre neuen Flatmates futterten kraftig mit!).

Da ich den Mietwagen noch einen Tag länger hatte, stattete ich am folgenden Tag Port Arthur nochmal einen Besuch bei Tageslicht ab, nachdem wir auf der Geistertour nur einen kleinen Teil des Geländes gesehen hatten. Eine kleine Bootstour zur Insel der Toten, eine Kurzführung und das informative Besucherzentrum hielten mich einige Stunden "gefangen", aber ich durfte das Gefängnis als freier Mann wieder verlassen. Mit viel gutem Zureden und ein paar mal Anhalten und Motor neu starten brachte mich der Mietwagen dann wieder zurück nach Hobart, wo Petra und ihre Mitbewohner zum Abschied Pasta und Brownie mit Tassie-Eis auftischten. Yamm! Anschließend durfte ich - als einziger Nicht-Mediziner - gemeinsam mit vier angehenden Ärzten ER (Emergency Room - die US-TV-Serie mit George Clooney) anschauen: Ein wirkliches Erebnis! Am interessantesten waren die fachlich tiefgreifenden Kommentare des Publikums, während ich nur dachte: Ja, ja, viel Blut... Dafür konnte ich mich dann fachlich tiefgreifend über die teilweise nervenzerfetzenden Grausamkeiten in den Spots der zehn Werbepausen (in einer Stunde) aufregen (Während die anderen immer noch über die Diagnosen und Therapien der Minuten davor fachsimpelten). Ich sollte eigentlich mal ein Video aufnehmen mit den schlechtesten australischen Werbespots, da gibt es einige wirklich abschreckende Beispiele...

Aber das ist wieder ein anderes Thema! Erst einmal war das Thema Tasmanien nach diesem wiederum erfolglosen Jagd-Tag für mich erledigt. Am nächsten Morgen, zu wiederum sehr Backpacker-unfreundlicher Zeit und bei gerade einmal vier Grad Außentemperatur, ging mein Flug zurück nach Sydney und es bleibt zu resümierene, daß

1.Tasmanien eine Reise wert ist und die faszienierende und abwechslungsreiche Landschaft eigentlich unbedingt in die Reisepläne eines jeden Backpackers gehört (was bei weitem noch nicht der Fall ist), und

2. wohl jemand Anderes in die Geschichte eingehen wird als (Wieder-)Entdecker des letzten noch lebenden Tasmanischen Tigers, der ganz besimmt irgendwo durch den tasmanischen Regenwald streift! Mein Jagdglück hatte mich leider verlassen, aber wenigstens den Tasmanschen Teufel hatten wir gesehen , und der Wombat auf dem Arm ist ja auch nicht zu verachten ;-)

Wieder zurück in Sydney warteten außerdem schon die nächsten  Abenteuer, darunter mein Tauchkurs in Manly (inklusive Stingray, Numbray, Octopus, Port Jackson Shark und Blue Groper), zwei Geburtstagsfeiern (meine und Christine's) und eine Woche später die "Expedition ins Outback" von Adelaide nach Alice Springs, mit 2.000km Schotterpiste, Schlafen unter den Sternen (und zwischen Dingos) und dem australischsten aller Felsen: Ayers Rock (Uluru). Doch dazu mehr im nächsten Newsletter, den ich dann wohl schon von der Sunshine Coast in Queensland - wenn ich mich mal vom Strand losreißen kann!

Morgen (Montag) geht es also los auf meinen allerletzten Trip hier in Australien, nämlich die Ostküste rauf und wieder runter. Gute zwei Monate habe ich noch, bevor mein Jahr hier schon wieder vorbei ist, und die Zeit vergeht viel zu schnell. Ich freue mich schon auf meinen ersten Äppler und kein Tempolimit auf der Autobahn (110km/h ist auf Dauer doch ziemlich langsam ;-) ) und natürlich darauf, Euch (in Deutschland in Europa) alle wiederzusehen! Aber ein klein wenig Geduld ist noch nötig, denn bevor ich heimfliege muß ich mich natürlich noch ausgiebig am Strand bräunen und für den Tuesday Night Skate trainieren... Allen Wiesbadenern viel Spaß bei der ersten Hälfte der Feste-Saison, die ich leider verpasse, aber rechtzeitig zum Weinfest ab 10. August bin ich wieder da!

Viele Grüße und ein Vegemite-Sandwich
Indiana Heiko (... auf der Suche nach dem Tasmanischen Tiger)

PS: Noch eine Anekdote von den Titelseiten der australischen Zeitungen zum Schluß: Am Tag meines Rückfluges von Tasmanien tauchte ein schon für tot erklärter Australier nach 34 Tagen ohne Karte, Schlafsack und Essen mit 20kg weniger auf den Rippen aus dem tasmanischen Regenwald wieder auf, nur wenige Kilometer vom Ziel meines Bushwalks an der Südspitze entfernt! Seine erste Dusche nach über einem Monat hatte er im Lune River YHA, wo wir knapp zwei Tage vorher noch über ihn und seine schlechte Ausrüstung diskutiert hatten (und wo ich die gleiche Dusche benutzt hatte). Toll, oder?! (Zugegeben nicht der Riesen-Reißer, aber trotzdem was zum Erzählen :-) )