Heiko`s Aussie-Newsletter Nr. 4 - Sydney Teil 2
Hallo liebe Newsletter-Leser!
Nachdem der letzte Newsletter ein etwas
abruptes Ende fand, da ich nicht wußte, wann ich wieder Gelegenheit finden
würde, E-Mails in die Welt zu schicken, folgt nun hier die Fortsetzung mit
Allem, was mir während und nach den Olympischen Spielen und während meines Jobs
auf dem Traumschiff so alles passiert ist. Der
gute Vorsatz, auf dem Weg nach Perth etwas mehr Newsletter und Homepage zu
basteln, hatte sich ziemlich schnell erledigt - irgendwie war einfach zu viel zu
sehen und zu erleben, und vor allem habe ich einige Stunden und Tage hinter dem
Steuer meines Autos verbracht - so dass ich jetzt, mehr als zwei Monate nach dem
Ende der "best games ever" und nach sechs Wochen Reise nach Westen, noch einmal
kurz (was auch immer das wieder heisst...) die Olympischen und
Paralympischen Spiele aus meiner höchst subjektiven Sicht revue passieren zu
lassen.
Mein letzter
Newsletter endete irgendwo beim sportlichen Teil der Olympischen Spiele, dem
eigentlichen Mittelpunkt der Welt-Aufmerksamkeit, aber eher etwas abseits der MS
Deutschland Aktivitäten. Glücklicherweise konnte ich von meinem Arbeitsplatz im
Welcome
Pavillon neben dem Schiff regelmäßig einen Blick auf den Bildschirm werfen,
auf dem rund um die Uhr die Übertragung vom Channel 7, dem australischen Auge
und Ohr der Spiele, werfen. Die deutschen Triumphe, die ja eher etwas spärlich
ausfielen, liefen dann nachts im Bord-TV, während auch in Deutschland die
Zusammenfassung des Tages bzw. der Nacht ausgestrahlt wurde. Wie gut, dass wir
das ZDF an Bord hatten...
Und wie gut,
dass die Kontakte zum ZDF ganz gut funktionierten... so hatte ich kurz vor
Beginn der Spiele Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des IBC
(International Broadcasting Center) in Homebush zu werfen, wo alle
internationalen TV-Sender ihre Studios und Schnitträume hatten. Ein
unglaublicher Aufwand wurde dort betrieben. Ein riesiges Gebäude, wo alleine ARD
und ZDF etwa 500 Mitarbeiter untergebracht hatten - und nix war von den Gängen
aus zu sehen, außer kilometerweise Kabel und dem zentralen Schaltraum, in
dem sämtliche Leitungen von den einzelnen Sportstätten zusammenliefen und über
den die weltweiten Übertragungen liefen. Als sich aber die Tür zum deutschen
Bereich öffneten, konnte ich - unter der Führung von Marco, seines Zeichens
Ex-Kommilitone an der FH und in Sydney MAZ-Koordinator für`s ZDF - dort etwas
herumschnüffeln. Wahnsinn, was da alles an Technik aufgebaut war. Als ob das
Sendezentrum in Mainz kurzerhand ans andere Ende der Welt verpflanzt worden
wäre! Studios, Regie- und Redaktionsräume, MAZ- Schnittplätze und Monitore
über Monitore, dazu ein eigenes Café - eine Welt für sich, und bezahlt von
unseren Fernseh- und Rundfunkgebühren ;-) Die Daheimgeblieben können am ehesten
beurteilen, ob es sich gelohnt hat, vor Ort hat es jedenfalls imposant
ausgesehen...
Zurück auf der
MS Deutschland gab es außer viel Arbeit aber auch genügend Gelegenheit, sich zu
entspannen. Auf diesem deutschesten aller deutschen Kreuzfahrtschiffe traf man
sich vor allem zu den Mahlzeiten und zum Feierabend-Bierchen (Kölsch oder KöPi).
DaimlerChrysler und Bayer hatten eigene Hospitalit-Bereiche in zwei Salons auf
dem Schiff - Daimler eher die dezent-exklusive Lounge auf dem Oberdeck, Bayer
dagegen den Sportler-Treffpunkt in einer Bar, mit Promi-Sportlern im Interview
mit Paul Meier und Heike Henkel und Live-Musik zum Mittanzen. Dort waren auch
wir Mitarbeiter zum abendlichen Plausch mit Kölsch eingeladen - wenn wir
rechtzeitig mit der Arbeit fertig waren, denn Alkohol gab`s (offiziell) nur bis
um eins. Der Grund: Das Schiff war als Hotel bei der australischen
Aufsichtsbehörde angemeldet und hatte nur eine entsprechende Lizenz bis ein Uhr
- streng kontrolliert und mit weiteren Auflagen wie z.B. Schildern mit der
Aufschrift "No Alcohol sold to persons under the age of 18" an jeder Bar - wie
es sich halt für jeden lizensierten australischen Pub gehört! Das sah` schon
manchmal etwas komisch aus, aber Gesetz ist Gesetz...
Die Parties in der
Stadt müssen aber auch gigantisch gewesen. Sydney im Ausnahmezustand mit
Übertragung der Spiele auf mehreren Großleinwänden auf Plätzen in der ganzen
Stadt, Live-Konzerten und Parties bis zum umfallen - leider habe ich davon so
gut wie nichts mitbekommen, waren wir doch auf dem Navy-Gelände etwas abseits
davon. Dafür kann meine liebe Mitreisende Britta um so mehr davon berichten...
Wie sie es geschafft hat, jeden Abend total abzufeiern und am nächsten Morgen
wieder (im Konsulat) zu arbeiten, ist ihr, glaube ich, selbst ein Rätsel. Die
seltenen Gelegenheiten, bei denen ich sie während der Spiele gesehen habe, sah`
sie jedenfalls ziemlich fertig aus...
Aber auch auf dem
Schiff gab es reichlich Gelegenheiten zum feiern. Mehrere Empfänge von Bayer,
Nokia und Daimler mit hochkarätigem Showprogamm (Berliner
Comedian Harmonists, Marcia Hines, James
Morrison und die Aboriginal-Tanzgruppe New Tide) und
dazu unsere exklusive Olympia-Band, die jeden Abend an verschiedenen Orten an
Bord spielte, sorgten für ein wirklich volles Programm für die Tages- und
Kabinengäste, die teilweise leider nur wenige Nächte an Bord blieben. Wir
Agentur-Leute trafen uns meist bei Bayer oder im "Alten Fritz" zum Bier und
Frikadellen (wer das Abendessen verpasst hatte), aber am letzten Abend konnten
auch wir abfeiern bis zum Morgengrauen. Die Closing Night
Party auf dem Schiff war ein echtes Highlight (mindestens so gut wie die
Opening Ceremony) und nach dem Feuerwerk (das Schiff hatte leichte Schlagseite
in Richtung Harbour-Bridge, denn Alle wollten natürlich an der Reeling stehen um
diesen einmaligen Blick nicht zu verpassen) ging die Party dann erst richtig
los. Beim Tanzen legten die Damen dann auch die blauen MS Deutschland-Decken
wieder ab, die heiß begehrt und wirksam gegen den nächtliche Kälte im
australischen Fast-noch-Winter waren.
Die Kopfschmerzen
quälten uns dann am nächsten Morgen, als es nach durchschnittlich zwei Stunden
Schlaf an den letzten Check-Out (alle Gäste bis 11 Uhr vom Schiff) und an den
Abbau ging... Die Zeit war viel zu schnell vorbei, wir hatten kaum Zeit, das
Ganze zu geniessen, aber der Stress und die langen Arbeitsstunden waren
schnell vergessen und die Erinnerung an die zwei spannendsten,
interessantesten und anstrengendsten Wochen meines Lebens ist nur noch positiv.
Leider verabschiedete sich ein guter Teil der liebgewonnenen Kolleg(inn)en recht
schnell wieder in Richtung Deutschland (bzw. USA), aber das Loch, in das man
nach einem solchen Projekt fällt, war bei mir glücklicherweise nicht so tief,
denn ich hatte ja noch einige Monate Australien vor mir...
Und die Zeit in Down
Under ging dann gleich weiter mit den Paralympics!
Nach einigem Überlegen sagte ich zu, nach einer Woche Pause von PB im
Mannschaftsbüro bzw. im Deutschen Club im Novotel mitten im Olympia-Park in
Homebush als "Büromensch für alle Fälle" zu arbeiten. Der Deutsche
Club war als Treffpunkt für die Presse, die Mannschaft und VIP-Fans eingerichtet
und dort fanden auch die täglichen Pressekonferenzen mit den, leider nicht
sehr zahlreichen, Medaillengewinnern statt. Durch den Job sollte ich
ursprünglich die Hälfte der Zeit im Mannschaftsbüro im Paralympischen Dorf
verbringen, dort trotz der Zusage und täglichem Nachfragen brachten es die
"wichtigen" deutschen Funktionäre mit ihren "tollen Beziehungen" tatsächlich
nicht zustande, mir auch nur für einen einzigen Tag eine Akkreditierung zu
besorgen, so dass ich die gesamte Zeit im Novotel verbringen durfte. Immerhin
konnte ich dort einige der Sportler kennenlernen, einige wichtige deutsche
Politiker schauten auch für ein paar Tage vorbei (der gesamte Sportausschuß des
Bundestages, inklusive Klaus
Kinkel, dem ich erklären sollte, wie sein Handy funktioniert...) und der Weg
zu den Sportstätten war nicht weit. Leichtathletik, Rollie-Basketball,
Rollie-Rugby
und Goalball habe ich gesehen, dazu den Marathon,
der direkt unter unserem Balkon vorbeiführte.
Die Parties und
Empfänge konnten, zusammen mit der recht guten Bezahlung (die manchmal aber eher
"Schmerzensgeld" denn Lohn für Arbeit war), die nicht
eingehaltenen Versprechen bzgl. Paralympischem Dorf wenigstens einigermaßen
ausgleichen. Los ging`s im Taronga Zoo,
wo die Mannschaft schon zwei Tage vor Beginn der Spiele das erste Mal feierte.
Mit dabei waren Manni und Christian von den "Flying
Bananas", mit ihrer Trampolinshow, und die Band, die auch schon auf der MS
Deutschland für Super-Stimmung gesorgt hatte. Ein weiterer Empfang, mit
Botschafter, Konsul, Politikern und Walter Troeger (NOK-Chef) fand dann zur
Halbzeit statt. Dabei ging`s, im Gegensatz zum Zoo, recht förmlich zu. Bei
dieser Gelegenheit ließ sich aber auch Blacky
Fuchsberger, Ex-Fernsehstar und Wahl-Australier, wieder sehen und unterhielt
sich sehr angeregt mit den Sportlern.
Zum Schluß gab`s
dann erst eine Mannschaftsparty im "Hubertus
Country Club", wo parallel eine "Funkemariechen-Wahl" stattfand und fast nur
70+-jährige Deutschstämmige rumliefen. Ein gaaanz eigenartiger Ort, aber das
Barbie war erste Klasse und es ging auch nicht so lange, denn am nächsten Tag
waren noch ein paar Wettkämpfe und die Closing
Ceremony angesagt. Dort war dann nochmal typische Aussie-Sportstimmung, auch
wenn der größte Teil der Feier ein riesiges Open-Air-Concert (mit Kylie Minogue)
war. Wir hatten unseren Spass und
danach war endlich das Thema "Arbeiten" für mich erst einmal
erledigt.
Pünktlich zum Ende
der Paralympics musste ich dann leider bei JP ausziehen (vierzehn Tage später
als eigentlich geplant), denn der Nachmieter, noch ein John, wartete schon
darauf, dass er endlich rein konnte. Glücklicherweise konnte ich für die Zeit,
bis ich ein Auto gefunden hatte und endlich in Richtung Westen aufbrechen
konnte, bei Katrin (Ex-Kollegin von PB) unterkommen. Ihr kleines Häuschen direkt
am Wasser in Balmain, wo sie mit ihrem Flatmate Greg (ein irrer Ire) wohnt, war
wirklich keine schlechte Alternative, um nicht zu sagen: Echt
schnuckelig!
Doch die Story mit
dem Auto gehört dann schon in den nächsten Newsletter, der schon in Arbeit ist.
Denn meine sechswöchige Reise gen Westen, inklusive Melbourne, Adelaide,
Nullarbor Plain, der längsten geraden Straße Australiens (140km), dem größten
Loch Australiens (eine Goldmine in Kalgoorlie-Boulder) und den bisher höchsten
Temperaturen, die ich hier erlebt habe (ca. 45 Grad), ist auch schon wieder
vorbei. Kurz vor Weihnachten bin ich wieder hier in Sydney angekommen, um
Weihnachten und Silvester zu feiern (war wirklich einmalig, vor allem das
Silvester-Feuerwerk rund um die und auf der Harbourbridge) und etwas auszuruhen,
bevor es am 4. Januar schon wieder nach Neuseeland weitergeht.
Die Fotos von den
letzten sechs Wochen sind schon zu besichtigen, natürlich auf meiner Homepage www.egert-online.de! Einige Kommentare
fehlen zwar noch, aber alleine die Bilder sind schon einen Besuch wert! Also
viel Spaß beim Anschauen, die passende Story gibt`s irgendwann in den nächsten
Tagen oder Wochen, mal sehen wie ich es halt schaffe...
Und zum Schluß wie
immer: Wer keine Lust mehr hat, meine seitenlangen Newsletter zu lesen, wer
gerne zwei Exemplare hätte (für`s Büro und für daheim z.B.) oder wer mal wieder
eine neue Adresse hat, der schreibe mir bitte eine Mail! Aber auch über andere
Mails mit News aus Deutschland und dem Rest der Welt freue ich mich sehr, denn
die australischen Medien sind ziemlich zurückhaltend mit der Verbreitung von
Meldung über umgestürzte Weihnachtsbäume und entlaufene Tiger in Wiesbaden und
ähnliches (dafür erfährt man alles über den neuestes Ehestreit in irgendeinem
Vorort von Sydney...).
Auf jeden Fall
wünsche ich Euch Allen ein gutes und erfolgreiches neues Jahr (2001 - The Real
Millenium!) und ich verspreche, in ein paar Monaten wieder daheim zu sein! Vorher
muß ich mir aber noch den Rest Australiens anschauen und natürlich zuerst
Neuseeland. Wie immer gibt`s zuerst die Fotos auf der Page, dazu ab und zu kurze
News, wo ich gerade bin (wenn ich gerade mal Empfang mit dem Handy habe oder ein
Telefonanschluß verfügbar ist).
Bis zum nächsten
Newsletter
Cheers
Heiko