Heiko`s Aussie-Newsletter Nr. 3 - Sydney Share the Spirit !

Aussie, Aussie, Aussie - Oy, Oy, Oy!

Dieser National-Schlachtruf der Down Under-Insulaner schallte in den vergangenen Wochen von Sydney in die Welt - und hoffentlich habt Ihr, liebe neugierigen Newsletter-Leser, dabei auch ab und zu an mich gedacht, denn ich hatte das einmalige und unvergessliche Glück, dieses wahrhaft olympischen Trubel live miterleben zu können! Und das ganze hat mich so beschäftigt und in Atem gehalten, dass ich nicht dazu gekommen bin (oder mit einfach nicht die Zeit genommen habe), endlich mal wieder ein Lebenszeichen nach Hause zu schicken - mal abgesehen von den neuen Fotos, die ich Zwischendurch auf meine Homepage geladen habe...

Ich hoffe, dass nicht auch dieser Newsletter wieder olympische Ausmaße annimmt, also versuche ich, mich kurzzufassen, aber Achtung: Es gibt trotzdem einiges zu lesen! Wer also keine Zeit hat, meinen Bericht während der Arbeitszeit zu lesen und die Umsatzeinbußen der deutschen Wirtschaft nicht auf Moohrhuhn-Dimensionen treiben will, der drucke ihn sich aus und mache sich dabei eine Tasse Tee (liebe Frauke, einen Herbst-Tee mit Euch vermisse ich schon...), oder lese den Bericht gemütlich auf dem Klo (gelle, Nick! André, aber nicht auf der Arbeit!). Allen Leuten, denen der letzte Bericht zu lang war (eigentlich nur Ellen), die teilen bitte die ausgedruckten Seiten in drei gleichgroße Stapel und lesen den ersten Teil heute, den zweiten übermorgen und den dritten am ersten Advent. Damit es nicht wirklich zu viel wird und ich nicht erst in drei Wochen den kompletten Bericht schicke, habe ich mich erst einmal auf die ersten Wochen meines Aufenthaltes in Sydney beschränkt, den Rest gibt`s irgendwann einmal!

Und alle diejenigen, die diesen Newsletter aus irgendwelchen Gründen (die ich natürlich wissen möchte ;-) ) nicht mehr bekommen wollen, eine neue E-Mail-Adresse haben, mit etwas mitteilen möchten oder einfach nur Hallo sagen wollen, drücken bitte auf den "Antworten"-Button und schreiben mir eine E-Mail zurück! Ich freue mich auf jedes Byte Text und natürlich auch über Fotos aus der Heimat!

So, nun aber von Anfang an, und der Anfang ist das Ende des letzten Newsletter, der irgendwo mit den Worten schloss: "Morgen ist mein erster Tag bei PB Promotions, einer Agentur, die das Projektmanagement für die MS Deutschland betreibt...."
Ein Tag mit Folgen, denn das Projekt war so groß und interessant und mit soviel Arbeit verbunden, dass die letzten Wochen wie im Flug vergangen sind, und, wie Ihr alle gemerkt habt, mir kaum Zeit zum Homepage-Basteln und Newsletter-Schreiben geblieben ist.

Bei der Arbeit im Büro von PB war vom ersten Tag eine nette Atmosphäre, kein Wunder, bestand das Team doch neben PB himself ausschliesslich aus Frauen. Ich fühlte mich also als zweiter Hahn im Korb, wenngleich Peter sich in den ersten Wochen wohl nicht so ganz sicher war, ob seine Entscheidung, mich einzustellen, nicht seine "Autorität" untergräbt. Im Laufe der Zeit war er aber wohl ganz froh, vor allem, weil er die ganzen schweren Kartons etc. nicht selber schleppen musste ;-)

Auf der ersten Hafenrundfahrt im wunderschönen Sydney Harbour stand er (Peter Bizer) dann aber wirklich im Mittelpunkt, denn der Anlass dieser Schiffsparty war sein Geburtstag. Das ganze Team war dabei und einige wichtige Leute konnte ich dort endlich kennenlernen. Darunter Rudi, unseren Transportmanager (Chef von Waratah Adventure Tours), Beate, unsere Hostess-Managerin und Lothar, unseren F&B-Manager (mit eigenem Restaurant: Lothar`s on Pymble Hill), der eine halbe Stunde zu spät kam, dafür aber eine Kiste frische Austern, einige Dutzend Garnelen und zwei Riesenplatten Sushi mitbrachte. Dazu gab`s dann echten Henkell-Sekt - und Peter liess sich von seinen "Musen" füttern und feiern... So lässt`s sich leben in Down Under ;-)

Aber auch die anderen Parties, auf die mich meine Flatmates Lance und JP (John Parker) schleppten, waren typisch "Aussie-Style". Angefangen mit einer Party à la Japan mit Sushi, Sake und Hei-Ko (irgendwie hatte Gastgeberin Kylie einen kleinen Japaner erwartet - welch` eine Überraschung :-) ) bis hin zu etlichen Abenden im The Oaks , wo man das Fleisch nur roh bekommt - zum Selbstgrillen auf dem Indoor- oder Outdoor-BBQ - und einen der beliebten Pool-Tische unbedingt vorher reservieren sollte. Und immer ein paar Schoner VB gehörten natürlich immer dazu (übersetzt: einige Gläser Victoria Bitter, das populärste Bier hier in Sydney und sogar einigermaßen trinkbar).

A propos JP und Lance: Lance war mit seiner Jobsuche in London wohl nicht ganz so erfolgreich, wie erhofft, und ist jetzt erstmal (mit Freundin Uta) wieder zurück in Oz für Urlaub. John Parker (JP) hat mich vor und während der Spiele eher selten zu Hause getroffen, aber insgesamt haben wir uns sehr gut verstanden. Meine erste wirkliche WG-Erfahrung - mit Extra-Bonus english-only - war wirklich positiv, der Bierdurchsatz im Kühlschrank erstaunlich niedrig und - dank Spülmaschine, die glücklicherweise erst drei Tage vor meinem Auszug kaputt ging - türmte sich auch kein schmutziges Geschirr in der Küche.

Die Unterschiede zwischen uns waren manchmal deutlich (Heiko, wie kann man nur 14 Stunden am Tag ARBEITEN?!? / JP, kannst Du auch was anderes mit Deinem Computer machen als SPIELEN?!?), manchmal waren wir aber auch einer Meinung, sogar beim Fernsehprogramm. Und die Kommunikation klappte von Tag zu Tag besser - nicht etwa, weil JP seine Deutschkenntnisse von drei auf fünf Worte ausbaute, sondern weil ich sein Aussie-Englisch immer besser verstehen konnte (von dreimal Nachfragen auf fast keinmal Nachfragen). Alles in allem ein friedliches Miteinander, das vor einer Woche zu Ende gegangen ist (nicht das friedliche sondern das Miteinander, weil ich nämlich ausgezogen bin!).

Mein Lebensmittelpunkt in den ersten Wochen war aber dann doch eher die Stadt. Nicht nur, weil in der William Street (wer auf der Karte nachschauen will: zwischen Hyde Park und Kings Cross) das Office war, in dem ich die meiste Zeit des arbeitsreichen Tages verbrachte, sondern weil in der Stadt natürlich auch die besten Pubs, die meisten Gelegenheiten zum Shopping, das billigste Sushi und die interessantesten Sehenswürdigkeiten zu finden waren. Und all dies, aber vor allem die Arbeit, ließ die Zeit bis zum Eintreffen der MS Deutschland, dem Beginn der Olympischen Spiele und dem größten Stress wie im Fluge vergehen.

Die einzige Gelegenheit, die Stadt in Richtung Blue Mountains zu verlassen, bot sich an einem Sonntag, an dem auch JP Zeit dafür hatte (zwecks Auto und Erklärung). Bei fünf Grad Außentemperatur und Nebel allerdings nicht wirklich ein Vergnügen. Das Auto haben wir nur dreimal verlassen: An zwei Aussichtspunkten, um den Nebel näher zu betrachten, und einmal, um im IMAX-Kino einen Film über die Blue Mountains anzusehen. So schön wäre es gewesen, hätten wir etwas gesehen...

Im Büro von PB Promotions wurde ich von Beginn an ausquartiert, da im "alten" Büro bereits alle Schreibtische belegt waren und ich mit Katrin, mit der ich die kommenden Wochen eng zusammenarbeiten sollte gleich das zweite Büro auf gleicher Etage eröffnete. Innerhalb von knapp vier Wochen waren die zweieinhalb Räume bis unter die Decke mit Computern, Druckern, Handies, Büromaterial, Papier, Hostessen-Kleidung und Kartons voll mit was man sonst noch so alles für so ein Projekt braucht, vollgepackt. Und zwei Wochen vor dem Umzug an den Hafen kam noch weitere Verstärkung aus Deutschland die auch in "unserem" Büro unterkamen und für eine wirklich gemütliche Atmosphäre sorgten!

Einige Tage vor dem Eintreffen des Schiffes zogen wir dann mit dem gesamten Büro nach Garden Island (mit DEM Blick auf Brücke und Oper) in die extra aufgestellten Pavillons. Dort folgten die letzten Vorbereitungen und die Installation der gesamten Technik. Als IT- und Security-Manager (toller Titel, aber mit viiieel Arbeit verbunden) kümmerte ich mich dabei um den Check-In, den Security Check und das Business-Center, alles im Welcome Pavillon, durch den alle Gäste das Schiff betreten und verlassen mussten. Nachdem alles lief, konnte ich endlich damit beginnen, was ich die Wochen zuvor geplant und vorbereitet hatte, und was mich während der fast drei Wochen im September Tag und Nacht beschäftigen sollte: Pässe drucken! Pässe für die Kabinengäste, Pässe für die Mitarbeiter, Pässe für Tagesgäste, Pässe für DaimlerChrysler-Gäste, Pässe für ZDF-Gäste und -Mitarbeiter, Pässe für Jeden und Alles (insgesamt über 9.000 Gäste, die das Schiff während der Olympischen Spiele besucht hatten und für noch einige Leute mehr)! Zum Schluß waren es insgesamt fast 12.000 Pässe, die wir durch die Drucker geschickt hatten.

Zwischendurch konnte ich meinen rauchenden Kopf für einige, manchmal nur drei, Stunden auf dem Kissen in meiner Schiffskabine zur Ruhe legen. Das beste daran war, dass ich jeden Morgen in weniger als zwei Minuten am Arbeitsplatz war ;-) Im Ernst: Das Bett war gerade ausreichend lang (was ich von der Breite nicht behaupten kann), die Dusche hatte immer heißes Wasser und im Bad konnte man sich sogar rumdrehen! Ansonsten alles superedel, mit nettem Service (JP hat mir mein Bett daheim nie gemacht... ;-) ) und Blick nach draußen. Aber das wirkliche Leben spielte sich ohnehin außerhalb der Kabine und meistens auch neben dem Schiff ab.

Wenn ich nicht gerade vor meinen Computern saß - und das war die weitaus meiste Zeit - hatte ich sogar einige Male Gelegenheit, etwas von den "besten Spielen aller Zeiten" zu sehen. Überraschenderweit fing es direkt an mit der Eröffnungsfeier, für die ich fünf Minuten vor Abfahrt des letzten Busses noch eine Karte in die Hand gedrückt bekam. Welch ein Glück, denn das Erlebnis war etwas wirklich ganz besonderes! Mit über 100.000 Menschen in einem Stadion, noch viel mehr an den Fernsehschirmen überall in der Welt, einer umwerfenden Show und einigen Momenten, die einem nicht nur einen Schauer über den Rücken laufen ließen... Die Fotos und Fernsehbilder können das gar nicht rüberbringen, sowas muß man einfach einmal im Leben live erlebt haben!!!

Und auch dem Sport (passiv natürlich) konnte ich frönen: Beachvolleyball (Supermegageniale Stimmung in dem fantastischen Stadion am Bondi Beach mit Animation und Musik), Fussball (Finale Spanien-Kamerun; sorry Santi, die Spanier haben es leider im Elfmeterschießen versiebt) und Basketball (Herren-Halbfinale mit Aussies-Frankreich und USA-Litauen, bei dem die Litauer das "Dream Team" nur gaanz knapp nicht schlagen konnten) hatte ich mir ausgesucht und da kam dann richtig Olympia-Feeling auf! Ansonsten sorgten das ZDF und einige Empfänge auf der MS Deutschland dafür, daß die deutschen Sportler auch zu uns kamen.

 

Dies war nun also der dritte Newsletter von mir, diesmal endlich über meine erste Zeit hier in Australien. Natürlich ging es danach noch weiter, aber dazu später mehr...

In der Zwischenzeit habe ich mir ein Auto gekauft (Toyota Kombi, 10 Jahre alt aber topfit) und bin seit drei Tagen unterwegs von Sydney nach Perth. Die erste Hälfte der Great Ocean Road liegt schon hinter mit und für die restliche Strecke habe ich mir viel Zeit genommen. Bevor ich zu Weihnachten (oh, wie wird das nur hier werden? BBQ, Bier und Poolparty?!? Mal sehen ;-) ) wieder in Sydney bin, werde ich mir aber noch ein paarmal Zeit nehmen und Newsletter schreiben, denn jetzt fängt endlich der Holiday-Teil von meinem Working Holiday Visum an und ich habe gaaaanz viel Zeit dafür :-)

Bis demnächst aus Oz

Viele Grüße von Crocodile Heiko